Papierrestauratorinnen helfen der Stadtverwaltung bei der Rettung der Archivalien
Blomberg. Es eilt: Nach dem Wasserschaden sind Stadtarchivar Dieter Zoremba, Mitarbeiter des Bauhofes und Freiwillige dabei, die nassen Akten aus dem Stadtarchiv zu retten. Gestern bekamen sie fachkundige Hilfe.
Gemütlich geht anders: Während das Wasser noch ununterbrochen aus der Decke in den Keller tropft, stapfen in Gummistiefeln und weißen Overalls zwei Frauen über den klatschnassen Teppich. Die beiden Papierrestauratorinnen Birgit Geller vom Archivamt Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) und Anna Endreß vom Landesarchiv Münster richten sich gerade eine provisorische Werkstatt ein. "Eigentlich hat das Landesarchiv mit diesem Schaden gar nichts zu tun", sagt Anna Endreß, aber: "Man hilft sich halt gegenseitig."
Die beiden montieren zwei Halter mit großen Rollen Stretchfolie an einen Tisch: "Wir wickeln die einzelnen Akten ein, damit sie beim Einfrieren nicht aneinander festkleben und sich später besser trocknen lassen", erklärt Birgit Geller, während sie Stadtarchivar Dieter Zoremba zeigt, wie es geht: Eine Akte einwickeln, die nächste drauf, weiterwickeln, dann wieder eine drauf, Folie mit dem Cutter schneiden, weg damit in die Plastikwanne. "Am besten macht Ihr das zu zweit: Einer bringt die Akten an, einer wickelt", so ihr Tipp.
Die Pakete dürfen nicht zu groß werden, denn vollgesogenes Papier verdoppelt sein Gewicht. Die enge Wendeltreppe hinauf, dann über die Brinkstraße zum Bürgerhaus schleppen Winfried Kipke und Dieter Zoremba die erste Wanne – nachher wird den Transport der städtische Pritschenwagen übernehmen. In der Bürgerhausgarage warten Gitterboxen auf die nassen Akten. "Die Firma Synflex hat uns damit ausgeholfen", erzählt Zoremba. Sobald die nassen Akten vollständig hier verstaut sind, wandern sie nach Ewerswinkel in ein riesiges Kühlhaus. "Bei minus 25 Grad werden die Sachen erst einmal eingefroren, damit sie nicht schimmeln", erläutert Birgit Geller. Anschließend holt das Archivamt sie dann nach und nach nach Münster, um sie gefrierzutrocknen. Dabei durchläuft das Papier quasi einen ähnlichen Prozess wie Tütensuppen oder Kräuter.
Derzeit werden hier Akten aus dem eingestürzten Kölner Archiv behandelt, "aber die Blomberger schieben wir dann mal dazwischen", lacht die Restauratorin.
Während sie selbst beginnt, die Fotos im Nebenkeller zu sichten, muss Dieter Zoremba schwierige Entscheidungen treffen: "Das kann weg" – ein Satz, den er heute häufig sagen wird. "Ich habe eine klare Linie: Was sich wiederbeschaffen lässt, weil die Originale auch anderswo lagern, kann weg. Aber Schätze wie die Urkataster der Blomberger Ortsteile müssen wir natürlich retten." Zum Opfer sind dem Wasser diverse Diasammlungen gefallen, die gerade von einem Bauhofmitarbeiter in blauen Müllsäcken gesammelt werden. Aufgeweichte Pappen, aufgequollene Bilderrahmen: Alles Müll.
Plötzlich tönt eine Stimme durch den Archivkeller: "Ich melde mich als Helfer zur Stelle", ruft Dietmar Riedel. Er war mal Mitglied des stadtgeschichtlichen Arbeitskreises. "Als ich das heute in der Zeitung las, dachte ich: Da muss ich helfen", sagt der Rentner. Und schon findet er sich mit Stadt-Azubi Christine Schmidt beim Einwickeln wieder. Es ist eng, feucht und die ständige Bückerei geht aufs Kreuz. Dieter Zoremba hält kurz inne: "Bis Donnerstag haben wir den Keller leer", meint er.