Für den Schulentwicklungsplaner ist ein Zweckverband mit Gesamtschule die "Große Lösung"
Von Wolf Scherzer
In der nordlippischen Bildungslandschaft wird sich auf jeden Fall einiges bewegen. Schulentwicklungsplaner Dr. Ernst Rösner hat seine Vorstellungen jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Nordlippe. Er sei sicher, mit den Ergebnissen seiner Studie keine Freude zu bereiten, sagte Dr. Rösner am Mittwochabend zu Beginn seines Vortrags in der vollbesetzten Aula der Hauptschule Barntrup. Aufmerksame Zuhörer waren dabei nicht nur die Verwaltungsspitzen und Mitglieder der Schulausschüsse aus Barntrup, Dörentrup und Extertal, sondern auch interessierte Kalletaler. Bekanntlich hat der Experte vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Dortmund auch für Kalletal die Schulentwicklungsplanung in Händen.
Die Ausgangslage ist, wie ausführlich berichtet, düster: Angesichts der stetig sinkenden Schülerzahlen muss sich Dörentrup ernste Gedanken um den Grundschulstandort Humfeld machen, während im Extertal, aber vor allem in Barntrup, die Hauptschule das Sorgenkind ist. Kein nordlippisches Problem, wie Rösner anmerkte: In Nordrhein-Westfalen sind die Anmeldezahlen der Hauptschule in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich: Die Realschule liegt bei einem Minus von knapp 17, das Gymnasium bei fünf Prozent.
Aber wie können die drei Kommunen die Zukunft ihrer Bildungslandschaft angehen? Dr. Ernst Rösner hat seine Zuhörer mit zwei seiner Meinung nach möglichen Varianten auf die Heimreise geschickt. Die "Große Lösung" sieht einen Zweckverband Barntrup, Dörentrup und Extertal vor - mit Barntrup als Zentrum einer Gesamtschule, die Standorte im Extertal (Sekundarstufe I) und Dörentrup (Jahrgangsstufen 5 und 6) hat. Rösners "Kleine Lösung" ist ein Zweckverband Dörentrup-Extertal mit einer Gesamt- oder Gemeinschaftsschule der Sekundarstufe I in Bösingfeld und einem Standort für die 5. und 6. Jahrgänge in Dörentrup; das Gymnasium würde bei dieser Variante Barntrup erhalten bleiben.
Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile, und für die anstehenden Beratungen gab Dr. Rösner den Beteiligten mit auf den Weg: "Diskutieren Sie vorurteilslos und sachlich, verständigen Sie sich gemeinde- und parteiübergreifend, und binden Sie die Eltern rechtzeitig mit einer anonymen Befragung ein." Vor allem aber sollte das Thema bis zur Landtagswahl "auf Eis gelegt" werden. "Keine Hektik, keine Termine, Ruhe bewahren", lautet sein Tipp.