Kalletal-Dalbke (bas). "Gott sei Dank ist alles glimpflich ausgegangen. Wir hatten eine sehr unruhige Nacht", sagt Dr. Dirk Neumann. Die Erleichterung, dass der Schimpanse "Fritzi" nach seiner Flucht aus dem Tierpark Kalletal wieder wohlbehalten eingefangen werden konnte (siehe weiterer Bericht auf Seite 9) ist ihm deutlich anzumerken.
Dabei dürfte nicht nur der Pächter des Tierparks eine unangenehme Nacht gehabt haben. Schließlich tauschte der Schimpanse seine konstant auf behagliche 20 Grad beheizte Hütte gegen eine Nacht bei frostigen Temperaturen ein. Im Vergleich zu seinem letzten Ausflug vor zwölf Jahren kam "Fritzi" allerdings mehr als unbeschadet davon. "Damals war er auf eine Eiche geklettert und mit einem morschen Ast abgestürzt", berichtet Dr. Neumann. Folge war ein gebrochener Arm.
Nach Angaben des Tierpark-Pächters sind in den vergangenen 15 Jahren insgesamt dreimal größere Tiere aus dem Zoo entwischt. Jedesmal habe es sich dabei um Affen gehandelt. "Das soll nicht vorkommen, ist aber nie ganz auszuschließen. Es gibt wohl kein Tierhalter, dem nicht mal ein Tier entweicht. Im Frankfurter Zoo sind sogar mal die Löwen spazieren gegangen", sagt Dr. Neumann. So ist für ihn die eigentliche Sensation, dass "Fritzi" ohne größere Aufregung und Schäden zurück in sein Gehege gebracht werden konnte. Trotz einiger Kontakte mit der Bevölkerung sei es zu keiner Panik gekommen.
"Morgens ist er an einer Bushaltestelle wieder gesichtet worden. Da war dann später auch eine Kindergruppe. Aber die haben vielleicht gedacht, ich gehe mit ,Fritzi' spazieren", berichtet Dr. Neumann. Bei aller scheinbaren Gelassenheit war jedoch das Gegenteil der Fall. Obgleich der Schimpanse zahm sei und ihm vertraue, lasse er sich nicht wie dressiert herumführen. So blieb den Verfolgern nur übrig, auf eine günstige Gelegenheit zur Narkose zu warten. Diese bot sich dann mittags auf einem Garagendach in der Nähe des Tierparks. Zunächst per Spritze durch Dr. Neumann, später mit Hilfe eines Betäubungsgewehrs wurde der 40 Jahre alte Affe außer Gefecht gesetzt und zurück in den Zoo gebracht.
Polizei und der zuständige Amtstierarzt waren nach Auskunft von Dr. Neumann genau über den Ablauf der Flucht informiert. Konsequenzen für seine tägliche Arbeit mit den Tieren erwartet der Pächter nach dem Zwischenfall nicht. "Die Sicherungsmaßnahmen sind geprüft. Ich füttere die beiden Affen seit zehn Jahren mit der Hand - ohne Probleme. Nur am Sonntag sind sie auf einmal in Windeseile an mir vorbeigeschossen und raus", erklärt der Tierarzt.






