Im Lemgoer Hansa-Kino steht der erste Filmprojektor in Lippe, der dreidimensionale Bilder liefert
Heute beginnt die 3D-Ära in Lippe. Volker Pannenbecker hat nach eigenen Angaben 100 000 Euro in sein Hansa-Kino gesteckt, damit lippische Cineasten das dreidimensionale Sehen erleben können.
Lemgo. Es sind gestern Mittag nur kurze Filmsequenzen als Demonstration für die Pressevertreter. Doch Volker Pannenbecker zeigt sich anschließend beeindruckt. "Das ist schon ein bisschen wie Weihnachten. So was hab ich natürlich schon oft gesehen – aber in meinem eigenen Kino. . .", schwärmt der 39-Jährige. Gleichzeitig läutet die Premiere aber wohl auch ein schleichendes Ende ein. Denn Filmspulen und das klassische Surren der Rollen hat der neue 3D-Projektor nicht zu bieten. Stattdessen werden die Filme digital per Festplatte angeliefert. Computermaus und Touchscreen sind anschließend die wichtigsten Hilfsmittel des Filmvorführers.
Um die neue Technik an den Start bringen zu können, hat Pannenbecker einige Mühen auf sich genommen. So galt es zunächst, den Vorführraum oberhalb des großen Kinosaals entsprechend zu präparieren. Gefragt waren eine Klimaanlage und neue Elektroleitungen, damit die neue Maschine zuverlässig laufen kann. Und auch eine spezielle Leinwand musste her – die alte war für die lichtintensive 3D-Technik nicht reflektierend genug. Heute nun soll die Premiere erfolgen. Der erste Film: Alice im Wunderland. Haben die Besucher die spezielle Brille auf der Nase, verwandelt das Gehirn das Gesehene in dreidimensionale, räumliche Bilder um. Wer zum Test die Brille abnimmt, wird leicht unscharf sehen. "Bei 3D werden die Bilder verschoben. Ohne Brille geht es nicht", sagt Pannenbecker.
Der Aufwand hat seinen Preis: Vier Euro 3D-Aufschlag müssen Erwachsene zahlen, Kinder bis zwölf Jahre 3 Euro – Brille inklusive. Doch längst nicht jeder Film wird künftig im Hansa-Kino in 3D laufen. Pannenbecker plant mit rund zehn in diesem Jahr. "Das muss auch zum Thema passen. Neben ,Alice‘ werden das später zum Beispiel ,Toy Story 3‘ oder ,Shrek 4‘ sein." Beim Rest gilt nach wie vor: Scharfe Bilder gibt es auch ohne die Spezialbrille auf der Nase.
Der Vorteil des neuen Projektors: Er kann, muss aber nicht nur 3D-Bilder erzeugen. Damit ist es auch möglich, klassische zweidimensionale Filme in digitaler Qualität abzuspielen.
"Man könnte auch eine Live-Übertragung aus der New Yorker Oper im Kino zeigen", schwärmt Pannenbecker. Gleichzeitig ist er froh, weiterhin auf seine beiden analogen Projektoren zurückgreifen zu können. So kann er jederzeit eine Rolle einspulen, wenn es einen Film nicht digital gibt.