Kirchengemeinde St. Pauli feiert ihr 100-jähriges Bestehen - Wurzeln reichen sogar bis 1851 zurück
Lemgo. Vorbei die Zeiten, in denen in der Kirche das Unkraut gezupft werden musste; fast vergessen die Tatsache, dass jahrzehntelang ein Turm zum Glück fehlte - doch all diese Anekdoten werden jetzt wieder lebendig. Die Kirchengemeinde St. Pauli feiert ihr 100-jähriges Bestehen und ruft dafür auch die Vergangenheit in Erinnerung.
"Für Himmel und ewig" lautet das Motto, das sich die evangelisch-reformierte Gemeinde für ihr Jubiläumsjahr ausgesucht hat. Gefeiert wird mit vielen Veranstaltungen und einem Festwochenende am 13. und 14. Juni (siehe Stichwort). Wichtig ist den Verantwortlichen aber auch der Blick zurück. In einer umfangreichen Dokumentation wurde die Geschichte der Gemeinde aufgearbeitet, die schon lange vor der eigentlichen St.-Pauli-Gründung am 1. Juli 1909 beginnt.
Die Wurzeln des Gotteshauses an der Echternstraße reichen zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Errichtet wurde das Gebäude 1851 als Versammlungsraum für die kurz zuvor entstandene "Neue Evangelische Gemeinde". Doch die erste freikirchliche Gruppierung in Lippe existierte nicht lange. Bereits 1858 löste man sich wieder auf. Zurück blieb die Kirche, die -abgesehen von einzelnen Gottesdiensten - erst 1888 wieder eine regelmäßige religiöse Nutzung erfuhr. Für 15 000 Mark, umgerechnet 100 000 Euro, ging das Gebäude in den Besitz der Kirchengemeinde St. Johann über. Die seinerzeit einzige reformierte Gemeinde der Stadt hatte an ihrem Stammsitz Platzprobleme bekommen und gründete in der Echternstraße eine Filiale.
1909 ist dann der Schritt reif für die Selbstständigkeit. Am 1. Juli wird aus der zweiten Pfarrstelle von St. Johann die eigene Gemeinde St. Pauli - Pfarrer der jüngsten landeskirchlichen Gruppe Lemgos ist weiterhin August Held. Schon früh ist den Verantwortlichen vor allem die Distanz zu "ihrem" Kirchturm ein Dorn im Auge. Denn nach wie vor muss der alte St.-Johann-Turm vor den Stadtmauern auch für die St.-Paulianer läuten.
Ein Missstand, der allerdings erst 1953/1954 mit dem Anbau der Zwillingstürme behoben wird. Zuvor gab es 1927 immerhin schon einen festen Fußboden für die Kirche. Damit hatte das Unkraut, das sich Jahrzehnte hartnäckig seinen Weg durch den gestampften Lehm gesucht hatte, endgültig ausgespielt. Kaum vorstellbar in der heutigen Zeit, in der seit Neuestem die Gottesdienste der drei Pfarrer Helge Seekamp, Kai Mauritz oder Cora Salzmann sogar per Flachbildschirm im abgetrennten Eltern-Kind-Raum der Kirche zu verfolgen sind. Aktuell gehören der Gemeinde St. Pauli knapp 3800 Menschen an; eine Filialkirche steht seit 1966 in Lüerdissen.