Es zieht ihn ständig fort: Anfang 2008 ist der Blomberger Polizeidirektor Udo Möller aus Addis Abeba zurückgekommen, jetzt tauscht er seinen Höxteraner Schreibtisch gegen einen im Kosovo.
Blomberg-Höntrup. Seine Koffer sind schon gepackt, als Udo Möller sich in seinem Höntruper Wohnzimmer Zeit für ein Gespräch mit der LZ nimmt. Er hat eine steile Karriere hinter sich: 1970 trat er als 16-Jähriger in die Polizei ein. Und in wenigen Tagen übernimmt er im Auftrag der Europäischen Union das Kommando über 1400 internationale Polizisten im Kosovo.
Im Bewerbungsverfahren hat sich der gebürtige Blomberger gegen Vertreter aller anderen 15 Bundesländer durchgesetzt und schließlich bei der Endausscheidung in Brüssel das Rennen gemacht. "Ich denke, da kommt mir meine bisherige Erfahrung zugute", sagt er.
Das klingt bescheiden, denn immerhin war er bereits im Jahr 2001 Regionalpolizeichef im Kosovo und 2006 stellvertretender Leiter der europäischen Unterstützungsmission für die Krisenregion in Darfur. Jetzt also Leiter der EU-Polizei innerhalb der Mission Eulex (siehe auch das Stichwort).
"Hilfe zur Selbsthilfe" - darum geht es dabei. Nach dem Krieg im Kosovo haben sich die Vereinten Nationen und die Europäische Union seit Ende des letzten Jahrzehnts bemüht, den Menschen dort beim Aufbau einer rechtsstaatlichen Gesellschaft zu helfen - inklusive eines funktionierenden Rechts- und Polizeiapparates.
Gewaltexzesse waren noch 2000 an der Tagesordnung - "mittlerweile hat sich viel getan", sagt Udo Möller. "Jetzt geht es hauptsächlich darum, die mittlerweile aufgebaute Kosovo-Polizei bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und der Bekämpfung von Schwerstkriminalität zu helfen." Die internationale Polizei ist ins zweite Glied zurückgetreten: "Im Streifenwagen sitzen nur noch Kosovo-Polizisten." Der EU-Mission geht es um die Ausbildung der Kollegen vor Ort sowie um Aufbau und Festigung von Strukturen.
Auch wenn Udo Möller schon mal da war, das ist fast 10 Jahre her, und seither hat sich viel getan. Wie hat er sich auf seinen neuen Job vorbereitet? - "Ich habe permanent alles an Berichten gelesen, was hereinkam und auch wiederholt und lange mit den Kollegen vor Ort telefoniert. Ich weiß ziemlich genau, was mich erwartet, und was ich will." Eine Baustelle kann er ganz konkret benennen: "Wir brauchen unbedingt eine Hundertschaft, die aus Kosovo-Serben und -Albanern besteht." Die Abgründe zwischen den lange verfeindeten ethnischen Gruppen nach Jahren des Hasses zu überbrücken, sei eine der größten Herausforderungen. "Aber wenn es um die gemeinsame Sache geht, kann das funktionieren, das habe ich schon damals erlebt."
Er geht ohne Angst, auch wenn eine letzte Unsicherheit bleibt: "Im Jahr 2004 hat auch niemand damit gerechnet, dass die Lage dort explodieren würde", sagt er. Aber Udo Möller geht mit dem Segen seiner Frau Angelika: "Nur Afghanistan käme nicht infrage", sagt sie.
Alle 30 Tage hat der neue Missionsleiter Anspruch auf sechs zusammenhängende freie Tage, "ich schätze, wir werden uns alle drei Wochen sehen", meint sie. "Ich kenne das ja schon aus seiner Zeit in Afrika." Das Privatleben soll nicht leiden, er hat bereits in seinen Terminkalender geguckt: "Zum Geburtstag meines Freundes Oskar Wnendt im März komme ich auf jeden Fall."
Im Kosovo wird sich Udo Möller eine Wohnung mit einem Kollegen teilen - "die Kollegen vor Ort besorgen uns gerade eine Mietwohnung", sagt er. "Aber ich werde sie ohnehin hauptsächlich zum Schlafen brauchen " - er rechnet fest mit einem 12-Stunden-Tag. Auf ein Jahr haben sich die Möllers erst einmal eingestellt, wie lang sein Einsatz genau dauert, wissen sie noch nicht.
Warum macht er das alles eigentlich, was treibt ihn immer wieder ins Ausland? - Er lächelt: "Wenn Sie das einmal gemacht haben, dann ist das wie ein Virus."






