Wasserschaden im Stadtarchiv geht noch glimpflich aus: Die meisten Akten sind trocken geblieben
Vermutlich ein Defekt im Heizungssystem: Mindestens vier Tage lang ist Wasser durch das historische Blomberger Stadtarchiv gerauscht. Und doch hält sich der Schaden vergleichsweise in Grenzen.
Blomberg. Wenn Winfried Kipke von der Stadtverwaltung gestern Mittag nicht eine Unterlage aus dem Büro seines erkrankten Kollegen im Stadtarchiv hätte holen wollen - wer weiß, wann der Schaden entdeckt worden wäre: In Strömen floss offenbar seit Tagen Wasser von der Heizung im Dachgeschoss durch das Erdgeschoss bis in den Keller mit den Archivalien.
Die Lehmwände in der ehemaligen Synagoge haben sich aufgelöst, das Flechtwerk ist blankgewaschen und aufgequollen, und im Keller stand das Wasser 60 Zentimeter hoch. "Das können Sie zuhause nachmessen - das Wasser ging genau bis zum Toilettendeckel", meinte gestern einer der Feuerwehrleute, die ab mittags ununterbrochen die Wassermassen abpumpten. "Wenn nicht vieles durch die Toilette im Keller abgeflossen wäre, dann hätte das Wasser bestimmt bis zur Kellerdecke gestanden", so Wehrführer Joachim Hartfelder gestern Nachmittag zur LZ.
Wann das Rohr im Heizungssystem geplatzt ist, weiß niemand so genau. Immerhin registrierte der Computer am späten Donnerstagabend den Ausfall einer DSL-Leitung - das könnte auf den Wasserschaden hinweisen, denkt Ruth Hofmann, Leiterin der Blomberger Immobilienverwaltung (BIG). Sie sieht den Schaden einigermaßen gelassen: "Die Eichenbalken sind ja stabil, Schaden haben vor allem die Wände genommen. Aber da guckt morgen noch ein Statiker drauf", sagte sie gestern. "Natürlich wird es aufwändig, die Lehmwände wieder herzustellen." Denn die ehemalige Synagoge steht unter Denkmalschutz und muss entsprechend wieder hergerichtet werden. Die Lehmdecke im Gebetsraum hielt gestern Nachmittag noch: "Aber Durchfeuchtungen sind schon zu sehen, das müssen wir abwarten." Nachdem die Feuerwehr den Keller halbwegs leer gepumpt und der Elektriker eine Baustromleitung fürs Licht gelegt hatte, sichtete Stadtarchivar Dieter Zoremba die Schäden. Hauptsächlich die Akten auf den unteren Regalböden sind in Mitleidenschaft gezogen.
"Unsere kostbarsten Archivalien lagern glücklicherweise auf den obersten Bretter", atmete er auf. Was aber dem "lippischen Staatsanzeiger" mit historischen Gesetzestexten auch nicht half: Es regnete durch die Decke direkt auf die Bände oben im Regal. Heute will eine Expertin vom Westfälischen Archivamt, um bei der Sicherung der Akten zu helfen: "Alles was nass ist, muss sofort tiefgefroren werden." Zudem werden heute Trocknungsgeräte aufgestellt.