Augustdorfer Soldatentag zum 50-jährigen Bestehen der Brigade lockt Zehntausende an
Augustdorf (te). Wo sonst grüner Flecktarn vorherrscht, war es am
Samstag bunt: Die Panzerbrigade 21 "Lipperland" öffnete die
Kasernentore für den Augustdorfer Soldatentag. Rund 30 000 Bürger ohne Uniform sahen sich an, was die in Uniform ihnen zeigen wollten. Die Brigade feierte mit dem Soldatentag ihren 50. Geburtstag.
Für die Soldaten stand der Höhepunkt am Anfang des Tages: General Markus Kneip, Kommandeur der 1. Panzerdivision, übergab dem Brigadekommandeur Oberst Dirk Backen in einem Appell die Truppenfahne der Panzerbrigade 21. Als erster Großverband des Heeres verfügt die Brigade nun über dieses Zeichen, das bisher nur Bataillonen vorbehalten war.
Die Brigade stehe für Werte wie Freiheit, Recht und Menschenwürde ein und habe gerade beim Einsatz in Afghanistan Tugenden wie Tapferkeit, Kameradschaft und Mitgefühl gezeigt, sagte Kneip. Oberst Backen lenkte den Blick besonders auf Freiheit und Demokratie. Dafür sei die Brigade ein Garant. "Wer etwas anderes behauptet, der hat 50 Jahre lang geschlafen."
Von der Brigade, deren Kommandeur er einst war, nahm Jörg Schönbohm, heute Innenminister in Brandenburg, den Weg zurück zum Ganzen. Die Bundeswehr, so sagte er in Erinnerung an Diskussionen über die Nachrüstung in den 80er-Jahren, habe ihren Kurs gehalten und auch die deutsche Einheit gemeistert. Sie habe gezeigt, dass sie zusammenstehe: "Ein Volk, ein Staat, eine Armee." Nunmehr habe sie Anteil an der europäischen Einigung.
Ein breit gespanntes Programm erwartete danach die Besucher in der Kaserne. Wer es mochte, konnte sich anschauen, wie Panzertruppe und Grenadiere einen Feind in "Senneland" bekämpften. Er konnte sich Gerät und Bewaffnung der verschiedenen Verbände erklären lassen, konnte sehen, wie "Sanis" und Feuerwehr gemeinsam Unfallopfer retten oder die Modenschau der Panzeraufklärer bewundern. Sie zeigten vom Ritter des Mittelalters bis zur Soldatin in der aktuellen Kampfmontur diverse Uniformen aus der Militärgeschichte – inklusive lippischem Schützen. Denn, so formulierte der Parlamentarische Staatssekretär der Landesregierung, Manfred Palmen, "der Augustdorfer Soldatentag zeigt immer wieder die tiefe Verbundenheit von Bundeswehr und Bevölkerung". Am Rande nutzten zwei Friedensaktivisten die Chance, das kritisch zu hinterfragen. Auf einem Panzer rollten sie ein Plakat mit dem Tucholsky-Zitat "Soldaten sind Mörder" aus. Fünf Minuten habe die Bundeswehr gebraucht, um die Aktion zu beenden. Die Panzerbrigade bestätigte den Vorfall.