Wenn Hermann der Cherusker sich die Ehre gibt, muss was Besonderes passiert sein. Zur 29. Auflage der Grün-Weißen-Nacht stiefelte der Koloss von der Grotenburg höchstselbst in die Berlebecker Turnhalle.
Detmold-Berlebeck. Doch auch ohne den grünlich schimmernden Riesen, der trotz metallischer Gelenke eine gute Figur auf der Tanzfläche abgab, war das Narrenhaus ausverkauft. Hier tummelte sich sogar noch ein Römer. Allerdings nahm der Legionär geschützt vor den närrischen Germanen im DJ-Team "Oliva Macha" hinter dem Mischpult Stellung.
Vor der Bühne bewegte sich ein gewohnt kurioses Sammelsurium der skurrilsten Gestalten. Bogenschützinnen schienen Engel vor einem riesigen Gorilla beschützen zu wollen. Hexen und Vampire beobachten die Szene in der Hoffnung, dass ihnen auch etwas übrig bleibt. Alle mussten zu Beginn allerdings den Körperscanner am Eingang durchschreiten. Die Veranstalter hatten sich auch politisch sehr aktuell eingebracht. Das Gerät ließ extrem tief blicken.
Überhaupt glänzte die Grün-Weiße-Nacht, gewohnt souverän von Hajo Seehrich moderiert, wieder einmal mit einem exzellent zusammengefügten Programm. Dabei boten Le-Tu-Fa-Be, scheinbar direkt aus dem Pariser Lido eingeflogen, die Black Mambas und eine Horde Nonnen Bewegungen und viel Bein, sodass Männerherzen höher schlagen mussten. Als dann die Fußballer des TuS die Boygroups "Take That", "N-Sync" und "Backstreet Boys" auf die im Lichtermeer strahlende Bühne brachten, kannte das Gekreische keine Grenzen. Fortpflanzungswünsche wurden mit großen Plakaten offen am Bühnenrand geäußert, als die Jungs von "N-Sync" sich die Muskel-Shirts von den trainingsgestählten Oberkörpern rissen - mehr als eine Augenweide.
Fast ein wenig mystisch ging es zu, als aus dem Tiefschwarz der Bühne kleine Lichter und kurz darauf weiße Affengestalten auftauchten. Offene Münder und fast atemloses Staunen, als sich das Schwarze Theater aus Prag, seit Jahren regelmäßiger Gast der "Falken", schwebend wie von Geisterhand über die Bühne bewegte. Tosender Applaus forderte von der Weltklasse-Truppe eine Zugabe.
Zum Abschluss des Programms versammelte sich das mehr als 100-köpfige Ensemble unter Konfettiregen auf der Bühne. Und irgendwie hatte man den Eindruck, Dart-Legende Phil Taylor hätte an der Regie mitgewirkt. Denn immer wieder riss das Publikum die Arme zu der ebenso legendären Hymne der Weltmeisterschaften der Pfeilwerfer in die Luft.
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