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23.04.2009
Thusnelda im Sicherheitsgurt
Ein Blickfang für die Mythos-Ausstellung zieht ins Museum ein

Die Frau hängt am Haken: Mike Hilger von der Kunst-Spedition Hasenkamp gönnt sich eine kurze Pause, nachdem Thusnelda sicher aufgerichtet worden ist. Foto: Preuss

Detmold (te). Sie kam liegend in einer Kiste. Mitten in der Nacht wurde Thusnelda gestern im Detmolder Landesmuseum abgeliefert. Per Lkw direkt aus Rom. Am Morgen wurde die Statue dann quasi geweckt und auf die Füße gestellt. Per Kran, schließlich wiegt das Mädchen rund 350 Kilogramm.

Spezialisten für Kunsttransporte befreiten Thusnelda routiniert aus ihrer doppelwandigen Holzkiste und brachten sie in Stellung. Jetzt hat sie ihren neuen Platz eingenommen - an der Stirnseite der Zehntscheune. Dort wird sie die Besucher der Ausstellung "Mythos" ab dem 16. Mai an sich vorüberziehen sehen.

Gleichzeitig werden sie zweifellos tausende Touristen in Florenz bestaunen. Wie das? Die Detmolder Thusnelda ist ein eigens angefertigter Abguss des Originals, das seit Jahrhunderten vor der "Loggia dei Lanzi" im Herzen der Arno-Stadt steht.

Die mehrere Tonnen schwere Marmor-Dame ist weltbekannt und in Florenz im Wortsinne fest verankert. Dafür bleibt das Detmolder Gegenstück auch nach der Mythos-Ausstellung dauerhaft im Landesmuseum. "Ein großer Gewinn für unsere Sammlungen", freut sich Ausstellungskuratorin Dr. Elke Treude. Detmold erhalte damit die einzige Kopie der berühmten Statue nördlich der Alpen. Möglich sei das nur, weil die Nordrhein-Westfalen-Stiftung finanzielle Unterstützung geleistet habe. In punkto Qualität steht der Abguss dem Original wohl in nichts nach. Selbst der schon antike Bruch im Marmor am Oberarm der Figur ist bis ins Kleinste nachgebildet.

Die "echte" Thusnelda stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. 1828 wurde die Statue in Florenz entdeckt und prompt zum Bildnis von Arminius' Gattin erklärt. Das entsprach zum einen dem Zeitgeist, zum andern, so die Experten des Landesmuseums, trug vermutlich der trauernde Gestus der Figur dazu bei. Denn bekanntlich wurde Thusnelda wenige Jahre nach der Varusschlacht hochschwanger von Germanicus gefangen gesetzt. Arminius sah sie und seinen Sohn Thumelicus nie mehr. Heute geht man davon aus, dass die Mamor-Frau eine trauernde Dakerin darstellt und einst mit anderen Figuren auf dem Trajansforum in Rom an den Sieg über dieses Volk erinnern sollte. In der Ausstellung soll sie das Germanenbild der Römer darstellen. Sie haben nie Individuen abgebildet, sondern immer einen bestimmten Barbarentypus - Unterlegene und Trauernde.

Ab Samstag, 25. April, wird das Haupthaus des Museums für den weiteren Ausstellungsaufbau drei Wochen lang geschlossen. Das Naturkundehaus und das Kornhaus bleiben geöffnet. Geführte Gruppen können auch die Völkerkundeabteilung besichtigen.

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Dokument erstellt am 23.04.2009 um 00:10:01 Uhr

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